Sonntag, 13. Dezember 2015

moritura te salutat

"Die Todgeweihte grüsst dich". Dies meinte der Blumenwanderer zu vernehmen, als er sich heute früh der altehrwürdigen Esche (Fraxinus excelsior) im Thuner Schadaupark näherte, die nächstens gefällt werden soll. Und dies, obwohl zwei von drei Baumexperten sagen, der Baum sei gesund und in keiner Weise ein Sicherheitsrisiko.
Traurig und eine Träne verdrückend sagte ich dieser alten Dame adieu, die ich schon während meiner Schulzeit im benachbarten Gymnasium aufzusuchen pflegte. Dass eine Schweizer Stadt ihr Geld nicht zukunftsweisender einzusetzen weiss, als einem alten Parkbaum mit brachialer Gewalt zu Leibe zu rücken, ist für mich unverständlich.

Nachtrag: am 15. Januar 2016 wurde bekannt, dass der zuständige Gemeinderat von Thun unerwarteterweise entschieden hat, auf die umstrittene Fällung dieser Esche zu verzichten!
Salvata te salutat!!!


das scherenschnittartige Gezweig der Esche
gegen das Morgenlicht über dem Thunersee

ihre Krone ist gestutzt und daher relativ
klein im Vergleich zum.......

  monumentalen Stamm.


seit etwa 150 Jahren steht dieser Baum fest verwurzelt an seinem Platz

eine so grosse und alte Esche ist eine Seltenheit
und daher ein regionales Naturmonument.
Da kommt einem schon fast die Weltenesche 
Yggdrasil der Germanen in den Sinn.




das Schloss Schadau im Morgenlicht. Es ist umgeben
von einer stattlichen Gehölzsammlung aus dem 19. Jahrhundert.



eine alte Eiche neigt sich über die Wasseroberfläche


der Stamm eines alten Lindenbaums und .....
derjenige eines Lebensbaums.
Sind sie alle ihres Lebens sicher im Schadaupark?



ein Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum),
auch Wellingtonie genannt, steht riesenhaft hinter........
der tausendjährigen Scherzligkirche.
Ein Kultur- und ein Naturmonument 
scheinen sich die Hand zu reichen.





durchschreitet man die "Schleppen" genannten Aeste mit
Bodenkontakt, gerät man in den fast mystisch anmutenden
"Innenraum" dieses nordamerikanischen Nadelbaums.





Bei einem anschliessenden Spaziergang entlang des Sees in Merligen konnte ich feststellen, dass nicht nur der Winter-Jasmin blüht, sondern sich auch sonst allerlei regt in der Natur:


der Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum) stammt
ursprünglich aus China und ist ein typischer Winterblüher



Was da nicht alles wächst am Thunersee:
die Chilenische Araukarie (Araucaria araucana) wird auch Andentanne 
genannt und ist einer der beeindruckendsten
 Nadelbäume der Südhalbkugel
in Mitteleuropa gedeiht sie nur in wintermilden
Gebieten wie hier in Merligen




Letztlich ist auch sie eine schöne Ausländerin:
die Edel-Kastanie (Castanea sativa).
Dieses Buchengewächs wurde schon
von den Römern über die Alpen zu uns gebracht......
und gedeiht gerne in Weinanbaugebieten.



im Winter hält man sich an jede Blume,
die man findet: hier ein aufblühendes
Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum)....
und da ein Leberblümchen (Hepatica nobilis), 
das noch vor Weihnachten zu erblühen gedenkt.
Die neuen Laubblätter verbergen sich allerdings
noch in den Ueberdauerungsknospen am Boden.

auch dieses Veilchen entfaltet im Laub
bereits die ersten Blüten!

die zarte Blüte wird von drei Hochblättern (nicht Kelchblättern)
geschützt. Solche Blüten nennt der Botaniker ein Perigon.

Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)


die Winter-Rosette dieser Hummel-Ragwurz
(Ophrys holosericea), einer seltenen Orchideenart,
ist bereits gut entwickelt.

auch dieses Männliche Knabenkraut (Orchis mascula)
 hat sich entschlossen, noch vor Weihnachten auszutreiben.





Freitag, 13. November 2015

ein Traum von Baum

Heute besuchte der Baumwanderer, pardon Blumenwanderer eine weit über Obergesteln im Oberwallis thronende Lärche (Larix decidua). Sie wird mit ihren (geschätzten) über 800 Jahren als die älteste ihrer Art in der Schweiz angesehen. Als dieser Baum keimte, gab es aber diese Schweiz noch gar nicht, und es dauerte noch an die 100 Jahre, bis die Eidgenossenschaft auf dem Rütli gegründet wurde! Somit bekam dieser Methusalem die ganze Geschichte der Schweiz von seiner hohen Warte aus mit. Heute befindet er sich in seinem Lebensabend, welchen er hier auch in Ruhe verbringen kann. Denn glücklicherweise kümmert sich kein Baumexperte um ihn und empfiehlt den zuständigen Gemeindebehörden von Obergesteln, ihn "aus Sicherheitsgründen" zu fällen.

Auch dieser Baum ist innen völlig hohl. Es ist indessen normal, dass etwa 80% eines lebenden Baumes totes Holz ist, welches (nur) noch der Stabilität dient. Ein Baum lebt nur im ca. 10cm breiten Splintholz, welches sich unter der Borke befindet. Da diese wasser-und nährstoffleitenden Teile bei der Methusalem-Lärche immer noch vorhanden sind, ist dieser eindrückliche Baum auch ausgehöhlt lebensfähig.


ein typisches Bild aus dem spätherbstlichen Goms

ein Birkenhain

nicht der Methusalem, aber auch ein ganz
stattliches Exemplar von Lärche
ein Blick talaufwärts



immer wieder trifft man auf solch eindrückliche Gesellen
im Märchenwald, pardon Lärchenwald oberhalb von Obergesteln


hinter diesen Lärchen ist Obergesteln zu erkennen






das muss sie sein:
die Hohle Lärche von Yosemite, pardon Obergesteln!

nur schon das Wurzelwerk ist monumental




der Baum ist so gross, dass man ihn nur
voll ins Bild bekommt, wenn man
zu seinen Füssen nach oben fotografiert
der moosüberwachsene und nadelbestreute Stamm
strahlt Ruhe und Zuverlässigkeit aus

ein Blick eins Innere: oben links der Gipfel
des kaminartig ausgehöhlten Stammes.
Leider ergibt die Foto im Gegensatz zum
Augenschein kein dreidimensionales Bild.


dieses Lebewesen ist ein Zeuge uralter Zeiten


zum Vergleich des Blumenwanderers Rucksack

der Stamm hat laut Wikipedia einen Durch-
messer von fast zweieinhalb Metern.
Der Stammumfang misst 7,8 Meter.

auch die leicht zurückversetze Lärche rechts ist schon ein
eindrücklicher Baumgreis mit einem Stammdurchmesser
von 1 Meter, wirkt aber klein im Vergleich zum Methusalem














zu Füssen dieser Lärche fühlt man sich
klein, aber wohl

was schaut denn hier aus dem dürren Gras?
Eine Bärtige Glockenblume (Campanula barbata)!





Die folgenden Bilder entstanden weiter unten im Wallis auf dem Gemeindegebiet von Leuk:


die Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris)
 trägt jetzt Früchte

am ganzen Hang zu finden:
der Perückenstrauch (Cotinus coggyria) in seinem Herbstkleid






auch hier blüht noch etwas:
der Berg-Gamander (Teucrium montanum),
ein Lippenblütler ohne Oberlippe....

und der Dürrwurz-Alant (Inula conyzae),
ein Korbblütler ohne Zungenblüten.....


dieses bei uns nur im Wallis an wenigen Stellen
vorkommende Borretschgewächs blüht(e) gelb.....
während die hier schon längst verblüht ist
und doch irgendwie weiterblüht: die sehr seltene 
Schweizer Lotwurz (Onosma helvetica) 
mit silbrig glänzendem Fruchtstand.

und ist über und über mit stechenden Börstchen besetzt.
Diese Silikathaare dienen dem Schutz vor Schneckenfrass.