Freitag, 20. Februar 2015

Lichtblumen in den Follatères

Dem Hinweis eines Freundes folgend, dass die Lichtblumen in den Follatères bereits in voller Blüte seien, begab ich mich heute bei strahlendem Sonnenschein kurzentschlossen ins frühlingshafte Wallis.
Schon in den Rebbergen unterhalb der Follatères stiess ich auf verschiedene unscheinbare Frühblüher, welche ihren Blühzyklus schon jetzt beginnen, um dann bei der einsetzenden Sommerhitze alles schon hinter sich zu haben:


Schopfige Traubenhyahinthe (Muscari comosum)

Persischer Ehrenpreis (Veronica persica)

Eine Blume im Millimeterbereich:
das Hungerblümchen (Erophila verna)

Vielstängeliges Schaumkraut (Cardamine hirsuta)

Frühlings-Fingerkraut (Potentilla verna)
Reiherschnabel (Erodium cicutarium)



Weiter oben traf ich schon bald auf die ersten Lichtblumen (Bulbocodium vernum), deren rote Sterne an einigen Stellen am Waldrand zu Hunderten aus der noch braunen Felsensteppe spriessen. 
Die Lichtblume ist nicht zu verwechseln mit dem Krokus und gehört auch nicht der gleichen Pflanzenfamilie an, sie ist vielmehr eine Verwandte der Herbst-Zeitlose, eine Frühlings-Zeitlose sozusagen. Sie ist selten und kommt in der Schweiz nur an wenigen Stellen im Wallis vor, bildet dort aber schöne Bestände.




Der typische Flaumeichenwald der Follatères
(Forêt de la Lui)
hier beginnt der Weg durch den Flaumeichenwald


Ausblick ins Tal und auf die Schneeberge







Vorfrühling in Ralligen

Wenn man ans Nordufer des Thunersees fährt, stellt man fest, dass hier schon der Vorfrühling begonnen hat mit den typischen Zeigerpflanzen Leberblümchen, Huflattich und der Haselblüte. Doch eigentlich war das nicht der Grund, weshalb ich in Ralligen eine kleine Wanderung unternahm. Vielmehr wollte ich nach Orchideen suchen, welche es hier auch gibt.
Denn einige Arten, welche ihren Ursprung im Mittelmeergebiet haben, haben bei uns ihren ursprünglichen Lebensrythmus beibehalten und bilden ihre Blätter für den neuen Trieb schon im Herbst aus. Ihre zarten Rosetten lassen sich so im Winter einfacher beobachten als wenn das spriessende Gras die Sicht behindert.
Zufrieden konnte ich feststellen, dass sowohl die Bienen- als auch die Hummelragwurze auf den schneefreien Magerwiesen ihre Blätter gebildet haben und hoffentlich später in diesem Jahr auch blühen werden.


Leberblümchen (Hepatica nobilis) mit Blattlaus in der Blüte!








Huflattich (Tussilago farfara)





Haselnuss (Corylus avellana)
Bienen-Ragwurz (Oprys apifera)


rechts der Niesen


Der Thunersee: ein Meer aus Licht
Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea)






Donnerstag, 19. Februar 2015

Rückblick auf 2014 (Waffenplatz)

Gewaltige Gletscher haben die Landschaft des heutigen Waffenplatzes Thun geformt und gestaltet. Als sich vor mehreren tausend Jahren der Aaregletscher zurückzog, hinterliess er die typische Gletscherlandschaft mit Seen und Mooren wie im Schmittmoos und am Uebeschisee. Einst floss die Kander unterhalb von Thun in die Aare und schuf so die Schwemmlandschaft der Allmend. 1714 erfolgte die Kanderkorrektion: der Fluss wurde durch einen Einschnitt in den Strättlighügel nahe Einigen direkt in den Thunersee geleitet. Alte Flussläufe und die alpinen Pflanzen zeugen noch heute vom ehemaligen wilden Wirken des Flusses. Der kiesige Untergrund eignete sich nicht für eine landwirtschaftliche Nutzung und war unrentabel. Deshalb konnten sich dort langsam die artenreichen Trockenrasen entwickeln, die wir heute haben.
Viele Wiesen auf der hinteren Allmend sind bedeutende Trockenstandorte. Dort findet sich eine einmalige Pflanzenvielfalt. Botaniker haben hier 350 Pflanzenarten gefunden. Wahrscheinlich gibt es aber alles in allem noch mehr.
Insbesondere fand der Blumenwanderer zu seinem Erstaunen auch verschiedene Orchideenarten, von denen hier einige Bilder zu sehen sind. Sie entstanden an drei verschiedenen Tagen im Jahr 2014.


die Brandorchis (Orchis ustulata)
hat einen individuenreichen Standort auf der Allmend




Fuchs' Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)

Fleischrotes  Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)


Langspornige Handwurz (Gymnadenia conopsea)




Weisses Breitkölbchen (Platanthera bifolia)



die Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis)
blüht erst im späten Sommer bis in den Herbst


sie kommt auf der Allmend zahlreich vor




























Rückblick auf 2014 (Wallis)

Am 21. Mai 2014 gleich an drei Orten im Wallis botanisiert:

In Acherbielen, einem Naturschutzgebiet bei Brigerberg mit heute seltener Ackerbegleitflora eröffnet sich eine vielfältige Ackerlandschaft mit traditionellen Getreidefeldern, Magerwiesen, Felsensteppen, Suonen, Trockensteinmauern und Terrassen.


Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense)

Sommer-Blutströpfen (Adonis aestivalis)

Mönchskraut (Nonea erecta)

Schopfige Traubenhyazinthe (Muscari comosum)



Bei Grengiols blühte eine besondere Tulpe, die Grengjer Tulpe. Sie wurde am 26. Mai 1945 vom Botaniker Eduard Thommen entdeckt, der sie als eigenständige Art beschrieb. «Tulipa grengiolensis» gilt seither als einzige Tulpenart, die ausschliesslich in der Schweiz vorkommt. Sie blüht nur im Bergdorf Grengiols und dessen Umgebung. Ihre Herkunft liegt noch im Dunkeln. Vermutlich handelt es sich um Nachkommen einer vor Jahrhunderten eingeführten, unbekannten Tulpenart. Im Volksmund wurden die Grengjer Tulpen auch Römertulpen genannt.








In der Twingi-Schlucht, durch die der Weg ins Binntal führt, wanderte ich auf der alten Strasse, die vor der Eröffnung des Tunnels im Jahr 1965 das Binntal mit Ernen verband. Entlang dieses Weges kann man die seltene Walliser Levkoje bewundern, aber auch viele andere botanische Juwelen, die oft direkt auf dem Fels wachsen.


Hier beginnt die Wanderung

herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia)




Walliser Levkoje (Matthiola valesiaca)









buchsblättrige Kreuzblume (Polygala chamaebuxus)

Schweizer Schöterich (Erysimum rhaeticum)



Schweizer Schöterich und Seifenkraut (Saponaria ocymoides)




Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)







Felsen-Fingerkraut (Potentilla rupestris)
Hufeisenklee (Hippocrepis comosa)