Samstag, 29. August 2015

das Brienzer Rothorn

Im äussersten Süden des Kantons Luzern, auf der Grenze zum Berner Oberland erhebt sich das Brienzer Rothorn (2349m.ü.M.). Es lässt sich von Sörenberg aus per Lufseilbahn oder mit einer Dampf-Zahnradbahn von Brienz aus erreichen. Der Blumenwanderer entschied sich für letztere Variante und liess sich mit Schwester und Schwager von dem laut knatternden und schnaubenden
Relikt der Eisenbahngeschichte auf den Gipfel schieben.
All das Verblühte lässt erahnen, wie floristisch reich das Gebiet des Brienzergrates sein muss.
Noch gibt es so manche Blume zu bewundern.....



Was wäre das Brienzer Rothorn
ohne seine Nostalgie-Bahn!
das Ungetüm hat Durst:
 an der Kreuzungsstelle wird es mit Wasser betankt



in der Bildmitte sind Pilatus, Rigi und Stanserhorn zu erkennen.
Nur geübte Augen sehen sogar bis zu den beiden Mythen und zum Glärnisch rechts davon


der Hohgant einmal von Osten her gesehen

das Berghotel auf dem Kulm und die Bergstation der Seilbahn
dahinter. Zu sehen ist auch die Galerie, 
die zum Skigebiet hinüberführt



vom Pilatus bis zum Brienzersee,
in der Mitte das Brienzer Rothorn

alles auf einen Blick: vom Rothorn bis zum Hohgant
oder anders ausgedrückt: vom Grimselgebiet bis nach Interlaken

Blick gegen Norden mit der glänzenden Schrattenfluh links und Sörenberg unten



der Brienzersee: rechts davon Augstmatthorn und Tannhorn


Gemeiner Hornklee (Lotus corniculatus)

Berg-Distel (Carduus defloratus)
eine letzte blühende Orchidee auf über 2000 Metern:
Langspornige Handwurz (Gymnadenia conopsea)

Alpen-Leinkraut (Linaria alpina)

Bach-Steinbrech (Saxifraga aizoides)
ohne Bach

Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) ohne Sumpf

Strauss-Glockenblume (Campanula thyrsoides) ohne Strauss.
Jetzt lebt sie in den Samen fort, nachdem sich ihre Rosette
über mehrere Jahre entwickelt hat und jetzt 
zusammen mit dem Blütenstand verdorrt ist
Quendelblättrige Weide (Salix serpillifolia)




fasziniert auch im Knospenstadium.






Der Feld-Enzian (Gentiana campestris)
 mit seiner vierzähligen Krone blüht jetzt 
überall auf den Bergmatten und.....





auch die Glänzende Skabiose (Scabiosa lucida)
steht momentan überall in Blüte



Alpen-Goldrute (Solidago virgaurea subsp. minuta)
der Fruchtstand der Kugelorchis (Traunsteinera globosa)


Edelweiss (Leontopodium alpinum)

Donnerstag, 27. August 2015

der Lungen-Enzian

Die Gunst der Stunde nutzend folgte der Blumenwanderer einer kürzlich gemähten Schneise und gelangte so tief in das Naturschutzgebiet Weissenau bei Interlaken. Diese Schneise wurde von Naturschützern auf der Jagd nach Neophyten gebraucht.
Am Ende dieses Pfades angelangt, untersuchte der Blumenwanderer eine dort befindliche Moorwiese etwas genauer und fand den Gesuchten, den im Berner Oberland äusserst seltenen Lungen-Enzian, der durch seine leuchtend blauen Blüten besticht. Sein Name stammt daher, dass man seine Blüten und Wurzeln früher gegen Lungenleiden genutzt hat. Doch eine Wirkung wurde allenfalls durch starken Glauben erzielt, denn medizinisch nutzbare Wirkstoffe enthält der Lungen-Enzian nicht. Auch sonst blühte noch erstaunlich Vieles in der näheren Umgebung:



Bergminze (Calamintha nepeta aggr.)
Ästige Graslilie (Anthericum ramosum)

Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense)

der Korallenstrauch (Cotoneaster horizontalis) ist ein Neophyt aus China
und hat (wie hier) das Potenzial, einheimische schützenswerte Flora zu verdrängen,
weshalb er nicht mehr als Zierstrauch angepflanzt werden sollte.

auch die ersten Herbst-Zeitlosen
(Colchicum autumnale) öffnen ihre Blüten
Klebrige Salbei (Salvia glutinosa)




Der Star des Tages ist im Gras verborgen
und kleiner als gedacht: ....
es ist der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe).
Auf dieser Aufnahme sind gut die arttypischen Tupfen
auf der Innenseite der Kronblätter zu erkennen.

auf dieser Flachmoorwiese fand ihn der Blumenwanderer.......


und musste ihn erst vom Grase befreien,
bevor er ihn fotografieren konnte.







auch der allgegenwärtige Teufelsabbiss
(Succisa pratensis) liebt Moorwiesen














die Blüten öffnen sich erst, wenn die Lufttemperatur
gegen zwanzig Grad Celsius tendiert.




eine Pflanze mit Knitterblättern: ....
es ist das Grosse Flohkraut (Pulicaria dysenterica)

Wallwurz (Symphytum officinale)

das Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina),
so genannt, weil es als Pionierpflanze früher 
vor allem auf Gänseweiden anzutreffen war.


Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus)





eine wilde Mülldeponie am Rande des Naturschutzgebietes?
Nein, die ausgerissenen Goldruten wurden in Säcke abgepackt und zum Abtransport
bereitgestellt. Dank den Naturschützern kann sich in der Weissenau die Goldrute
nicht unkontrolliert ausbreiten. Sie könnte sonst das ganze Moor zerstören.

Sonntag, 23. August 2015

die Wendelähre


Die Gattung der Wendelähren (Spiranthes), auch Drehwurzen oder Schraubenstendel genannt, gehört zur Familie der Orchideen und umfasst je nach Zählung 33 bis 50 Arten mit Schwerpunkt in Nordamerika. In der Schweiz kommen hingegen nur 2 Arten vor.
Nachdem der Blumenwanderer bereits Mitte Juli am Weg zur St. Petersinsel im Bielersee die Sommer-Wendelähre gefunden hatte, besuchte er nun auf der Thuner Allmend das grosse Vorkommen ihrer spätblühenden Schwester, der Herbst-Wendelähre.





das Habitat auf der Thuner Allmend mit der Stockhornkette im Hintergrund:
eingestreut in den Halbtrockenrasen ist da und dort auch das feine Blütenwunder der Wendelähre.


der farbenprächtige Natterkopf (Echium vulgare)


immer wieder schön anzusehen:
die Wegwarte (Cichorium intybus)

Wiesen-Bocksbart (Tragopogon dubius s.l.)
Echtes Labkraut (Galium verum s.l.)
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea s.str.)


die Dolde der Wilden Möhre (Daucus carota) mit ihren 
gefiederten (=Unterschied zu anderen Doldenblütlern!) Hüllblättern....










schliesst sich nestartig nach dem Abblühen
zu einem Gebilde von filigraner Schönheit



        Die Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis) vor dem Hintergrund von Niesen und Stockhorn.




entlang des Stängels befinden sich schuppenartige Blätter,
aus deren Achseln die duftenden Orchideenblütchen wachsen.






botanisch interessant: der Stängel kommt nicht aus der Blattrosette,
sondern neben ihr herauf. Der Rosette wird der nächstjährige Blütentrieb
entspringen, während die zum diesjährigen Blütentrieb gehörenden
Blätter bereits verdorrt sind.








eine nichtspiralige Sonderform mit einseitswendigen Blüten



zum Vergleich:
die Sommer-Wendelähre (Spiranthes aestivalis)
mit längeren Blättern am Stiel. Sie kommt auf
der Thuner Allmend nicht vor.