Montag, 29. August 2016

der Lungen-Enzian

In einige Auengebieten zwischen Thun und Bern blüht derzeit ein weiterer Spätzünder: der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe). Damit vervollständigt sich die Trias der seltenen Moorblumen mit Schweizer Alant und Zwiebelorchis.
Das Habitat dieser selten gewordenen Enzian-Art sind die zahlreichen kleinen Riedwiesen, die es früher namentlich in den Uferwäldern von Münsingen an abwärts gegeben hat. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort jeweils die Streu gewonnen, d. h. die Gebiete wurden erst ziemlich spät im Herbst gemäht, sodass charakteristische Pflanzenarten wie der Lungen-Enzian und die Mehlprimel absamen konnten.
Leider besteht heute kaum mehr Nachfrage für Lische (berndeutsch für Streu). Als Folge wurden diese Wiesen mit wenigen Ausnahmen vom Wald erobert und die bemerkenswerten Pflanzen sind meistenorts verschwunden. Man kann an diesem Beispiel erkennen, dass sich menschliches Tun nicht unbedingt nachteilig in Bezug auf die Artenvielfalt auswirken muss.


das Grosse Flohkraut (Pulicaria dysenterica)...

liebt Sumpfwiesen und sonstige feuchte Orte.

schon kommt zwischen den Binsen....


auch der erste Lungen-Enzian in Sicht.



Mit seinen azurblauen Glocken fällt er.....

jedem auf, der einen Blick für Pflanzen hat.






die Tupfen auf seinen Blütenblättern erinnerten unsere Vorfahren
an Lungenbläschen, weshalb er gemäss der Signaturenlehre
als Heilpflanze bei Lungenleiden angesehen wurde.

eine Fliege nascht gerade vom Nektar
des Grossen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) 

der Schweizer Alant (Inula helvetica)
hat seine Vollblüte bereits überschritten.

hier wächst er zusammen mit
der Wasser-Minze (Mentha aquatica)


der Blütenstand des Schilfs (Phragmites australis)

so fruchtet der Schneeball (Viburnum opulus)




Zerstreut stehen die etwa einen halben Meter hohen
Stängel des Lungen-Enzians in den Riedwiesen.


er öffnet seine schönen Blüten nur bei warmem Wetter,
am ehesten bei Sonnenschein.







die weissumrandeten Punkte im Blüteninnern sind
sog. Tüpfel-Saftmale und weisen den bestäubenden
Hummeln den Weg zum Nektar



das Habitat des Lungen-Enzians

zwischen den Enzianen turnte auch eine
Zebraspinne (Argiope bruennichi) herum.
Diese bei uns ehemals seltene Art
stammt aus dem Mittelmeer-Gebiet.

zu sehen ist auch das arttypische Stabiliment,
eine zickzack-förmige Verstärkung
des Radnetzes.






schon leuchten einem auch die
Herbst-Zeitlosen (Colchicum autumnale) entgegen

so fruchtet das Pfaffenhütchen
(Euonymus europaeus) .....


und so der Gilbweiderich
(Lysimachia vulgaris).


wer die Natur kennenlernen will, 
muss genau hinschauen:

auf gleich mehreren Blüten des Sumpf-Herzblatts
(Parnassia palustris) fand ich
 gut getarnte Krabbenspinnen.




beim Näherrücken der Kamera verschwand das Tierchen
stracks auf der Rückseite der Blüte.
Nur noch ein Beinchen ist oben links knapp zu erkennen.

diese Blume ist gleich in doppelter Hinsicht eine Falle:
erstens täuscht sie ein reiches Nektarangebot nur vor
(die gelben Stieldrüsen sind von fester Konsistenz und sondern keinerlei Nektar ab)
und zweitens wird sie von der lauernden Spinne bewohnt,
die nur darauf wartet, dass sich ein argloses Insekt vom vermeintlichen Nektarangebot verlocken lässt.


ein weiter Bewohner der Moorwiesen ist...








das Abbisskraut (Succisa pratensis).

Sonntag, 21. August 2016

der Moorenzian

Enziane tragen normalerweise den Gattungsnamen "Gentiana". Der Moorenzian (Swertia perennis) hingegen wird als eigene Gattung "Swertia" abgetrennt (nach dem holländischen Pflanzenhändler Emanual Sweerts, 1572-1606). Somit gehört er nicht zu den Enzianen im engeren Sinne, wohl aber (wie auch das Tausendgüldenkraut) zur Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Die mehrjährige Pflanze (perennis) fällt durch die stahlblauen bis trübvioletten Blüten mit dunklen Punkten und Streifen auf. Sie bervorzugt Sumpfwiesen und kalkhaltige Flachmoore bis auf etwa 2500 m.ü.M. In der Schweiz konzentriert sich das Vorkommen auf die montane Stufe der Alpennordseite.
Der Moorenzian kommt aber auch in den Pyrenäen und auf dem Balkan vor. Weltweit gibt es etwa 90 Swertia-Arten mit Hauptverbtreitung in den asiatische Gebirgen. In den Alpen kommt jedoch nur diese Art vor. Die Bestäubung erfolgt vor allem durch Fliegen und Käfer.

Unser Moorenzian blüht erst spät im Jahr, nämlich im August. Es freute den Blumenwanderer ganz besonders, beim Heidelbeerpflücken ein schönes Vorkommen von ihm in seiner Nachbargemeinde Rüschegg angetroffen zu haben.


an einem trockenwarmen Standort.
Hier wird diese Orchideen-Art 
gerade von einer Wespe bestäubt.
.
ein schöner Busch der Breitblättrigen
Stendelwurz (Epipactis helleborine).....










wie schön doch die Einzelblüten dieser
an sich häufgien Orchideen-Art sind!



die Moorlandschaft unterhalb des Gurnigels

ein tolles Erlebnis ist der Fund des......
Moorenzians im sonst eher öden Mösli.

die Kronzipfel haben am Grunde je.....
zwei fransig abgedeckte Nektargrübchen.

auch knospend ist der Moorenzian
äusserst apart!




wäre nicht der Name "Blauer Sumpfstern"
angemessener für diese schöne Blume?