Dienstag, 5. Dezember 2017

Florilegium amabile 2

Der Winter ist gekommen
und hat hinweggenommen
der Erde grünes Kleid;
Schnee liegt auf Blütenkeimen,
kein Blatt ist auf den Bäumen,
erstarrt die Flüsse weit und breit.

Nun erschallen aber nicht Klänge und frohe Festgesänge, wie es im Liede weiter heisst, sondern leuchten die Farben der diesjährigen Blumenpracht nochmals auf: der zweite Teil der virtuellen Blütenlese vereinigt die Aufnahmen, die vom Juni dieses Jahres an bis in den Herbst entstanden.

Zuerst denkt man, dass die Fotos rasch ausgewählt sind. Dann verliert man sich fast darin - in den erstaunlichen Farben und Formen und natürlich in den Erinnerungen, die sie wecken.  So viele schöne Orte hat man besucht, und man möchte nächstes Jahr wiederkehren, weil man dort soviel von sich zurückgelassen hat: Träumereien, leichte, sonnige Stunden, einen klareren Geist, eine friedliche Seele - alles, was der Lauf der Welt uns sooft streitig macht.....



im Simmental bei Oberwil blüht dieser
nicht ganz alltägliche Doldenblütler:
die Bärwurz (Meum athamanticum)

die stark duftende, fenchelähnliche Pflanze
wird im Französischen "Fenouil des Alpes" genannt







da der Platanenblättrige Hahnenfuss
(Ranunculus platanifolius), ...

wie schön können gerade auch "alltägliche" Arten sein:
hier der Wald-Geissbart (Aruncus dioicus), ...


und dort die Akeleiblättrige Wiesenraute
(Thalictrum aquilegifolium).


darüber stolpert man im Berner Oberland nicht jeden Tag:
das Niederliegende Scharfkraut (Asperugo procumbens)

diese und die folgenden drei Aufnahmen entstanden am Col des Amburnex: 
hier der Aehrige Ehrenpreis (Pseudolysimachion spicatum)

nein, das ist keine Alpenrose, sondern ....

der seltene Flaumige Seidelbast (Daphne cneorum).
Er wird in der Schweiz auch Fluhröschen genannt, 
obschon er mit einem Rosengewächs nichts zu tun hat.

Färber-Ginster (Genista tinctoria)


drei unscheinbare Orchideenarten
feuchter Wiesen sind hier vereinigt:
die Einorchis (Herminium monorchis)....

die im Bernbiet sehr seltene
Zwiebelorchis (Liparis loeselii),
hier fruchtend

und da das ebenso seltene
Einblatt (Malaxis monophyllos)


hier sechs weitere Orchideenarten:
die Moosorchis (Goodyera repens) ...

mit dem dicht drüsigen Blütenstand.

die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)
sieht man bei Thun nicht alle Tage,
erst noch mit Untermieter.


auch nicht diese Schönheit:  ...

das Rote Waldvögeli (Cephalanthera rubra)


im Diemtigtal gesichtet:
die Tanay-Spitzorchis
(Anacamptis pyramidalis var. tanayensis)

und nicht weit davon
die Wohlriechende Handwurz (Gymnadenia odoratissima)
mit kurzem Sporn

die Kugelorchis (Traunsteinera globosa)





ebenso im Diemtigtal fand ich die
Echte Hundszunge (Cynoglossum officinale),
schon mehr fruchtend als blühend





mein kleiner "Liebling", und zwar auf der Thuner Allmend
zwischen Geschosspatronen vor sich hin blühend:
das Kleine Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum)

ist es nicht zum Niederknien schön!?


ein Zipfelchen nur und doch so gross ist
 die kleine Schwester des Echten Tausengüldenkrauts



diese beiden fand ich bei Münsingen:
der selten gewordene Ackerbegleiter
Venus-Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris)


und der ebenfalls rar gewordenen
Erdbeer-Klee (Trifolium fragiferum)







hier zwei bekennende Europäerinnen
 aus dem wilden Urbachtal:
die Nesselseide (Cuscuta europaea) und ...

der Siebenstern (Trientalis europaea),
wenn auch nur fruchtend.


der Schweizer Alant (Inula helvetica),
hier am Belpberg,  ...

zieht viele Insekten an.

ein prachtvolle Uferpflanze ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus),
hier an einem Standort in der Nähe von Bern

bei uns ist die Schwanenblume recht selten geworden. In Nordamerika wurde sie als Zierpflanze eingeführt;
mittlerweile wird sie dort in einigen Staaten wegen ihrer starken Ausbreitung als invasive Pflanze angesehen!

bei Ins am Strassenrand angetroffen:


das Spiessblättrige Schlangenmaul (Kickxia elatine)



das ganz ähnliche Eiblättrige Schlangenmaul (Kickxia spuria)
in den Plattenritzen vor einem Hauseingang

ein Fund mit Seltenheitswert fürs Berner Oberland (Simmental) ist.....

die Breitblättrige Glockenblume (Campanula latifolia),
hier erst noch eine Population mit rein weissen Individuen.


die namensgebenden breiten Laubblätter.....

und die grossen Blütenglocken dieser Art, die gerne in
Hochstaudenfluren in der Nähe von Bächen vorkommt.





kurz vor dem Verschwinden bei den Glockenblumen
fotografisch eingefangen:  eine Waldnymphe!

der Blaugrüne Steinbrech (Saxifraga caesia)
blühte am selben Ort wie die folgende Art



in Kalkgeröllhalden der Voralpen blüht dies zarte Gewächs, das doch so hart im Nehmen ist:
der Westliche Alpen-Mohn (Papaver occidentale)




so schön kann ein Lauch sein!
der Gekielte Lauch (Allium carinatum)

er hat sitzende Brutzwiebelchen und
je zwei weit abstehende Hüllblätter

gehört zu den Rarissima im Berner Oberland:
das Steintäschel (Aethionema saxatile)


der Bach-Steinbrech (Saxifraga aizoides)
scheint aus eigener Kraft zu leuchten, ...

während dieser hier ein blasser Heimlichtuer ist,
der sich im dustern Wald versteckt: 
der Widerbart (Epipogium aphyllum)


ein Verwandter des Schuppenkopfs ist
die Behaarte Karde (Dipsacus pilosus)

borstige oder stachelige Karde
würde den Sachverhalt besser treffen




und so sieht das kleine Ding aus, wenn die Sonne scheint
und ein besserer Fotograf als ich es aufnimmt.
Besten Dank an Paul Hürlimann!

in der Schweiz als stark gefährdet eingestuft
ist der Ysopblättrige Weiderich (Lythrum hyssopifolia),
hier auf der Thuner Allmend





hier im Unterwallis gefunden



zum Niederknien schön ist auch immer wieder
der Spätblühende Bitterling (Blackstonia acuminata),
ein enger Verwandter des Tausengüldenkrauts











an derselben Stelle gedeiht auch
ein topseltenes Primelgewächs:
die Salzbunge (Samolus valerandi)


leider total abgeblüht und mit Spinnweben
behangen ist die auch so eindrückliche
Radblüte (Trochiscanthes nodiflora),





ein phantastischer Doldenblütler aus dem Wallis
mit der beeindruckendsten Blattspreite, die ich kenne.








unbestritten einer meiner Favoriten ist auch
die Kragenblume (Carpesium cernuum) 

hier an einem Standort bei Le Bouveret

das grösste Exemplar, das ich je sah,
mit an die dreissig Blüten-Körbchen


ein weiterer Korbblütler, diesmal aber
am Wohlensee. es ist....

der Nickende Zweizahn (Bidens cernua).




hier noch ein paar Aufnahmen aus dem Wallis,
wo auch die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) zuhause ist.
Das Insekt wurde unmittelbar nach der Aufnahme
unbeschadet wieder in die Freiheit entlassen






auch als Gewürzpflanze bekannt, im Wallis aber frei wachsend:
der Echte Ysop (Hyssopus officinalis)

seine Blüten sind von einem betörendes Blau


man merkt an diesen beiden,
dass es Herbst wurde in den Follatères:
die Wendelälhre (Spiranthes spiralis) und ...

die Goldaster (Aster linosyris).



zum Jahresabschluss noch zwei über
tausend Jahre alte Eiben (Taxus baccata)

diese steht bei Crémines und ist hohl


nicht anders geht es dieser bei Moutier befindlichen alten Dame,
die sich trotz ihres Greisenalters noch immer einigen Grüns erfreut

aber von der anderen Seite sieht sie noch ganz passabel aus